- 25 allgemein bildende Schulen (Haupt- und Realschulen, Gymnasien,
davon 1 integrierte Gesamtschule, 3 berufsbildende Schulen
Städte / Länder , in denen Theo Prax vertreten ist:
- Berlin: Berlin
- Brandenburg: Golm
- Saarland: Saarbrücken
- NRW: Oberhausen, Aachen
- Baden Württemberg: Stuttgart, Pfinztal, Ellwangen
- Bayern: Freising
Die Initiative Theo - Prax hat das (offizielle) Ziel, eine Verbindung zwischen Theorie
und Praxis herzustellen. Theo Prax ist ein Ausbildungsmodell, das für die
Verzahnung von Industrie und Sschule. Dies läuft folgendermaßen ab:
Das Unternehmen wendet sich an Theo Prax und gibt ihm einen Auftrag. Dieser
Auftrag beinhaltet ein Problem 2. oder 3. Priorität, dass die Firma gelöst haben
möchte, wegen Zeit- oder Kapazitätsschwierigkeiten aber nicht so bald selbst lösen
kann. Die Initiative schreibt das Problem Schüler- bzw. Studentengerecht um und nimmt es
in die Liste mit den Fragen auf.
Dann wird diese Liste an die in Frage kommenden Schulen und Universitäten
weitergeleitet. Dort wird eine Gruppe aus max. sechs Schülern und einem Lehrer gebildet,
die sich aus der Liste ein Problem aussuchen und einen Projektplan erstellen.
Dieser Projektplan beinhaltet 1. Inhalt und Grundidee
2. Zeitplanung
3. Kostenplanung
Dieser Plan wird an die Firma geschickt, die , sofern der Plan ihre Zustimmung
erfährt, den offiziellen Auftrag an die Gruppe erteilt. Erst dann beginnt die eigentliche
Arbeit der Schülergruppe: Es müssen Ideen gefunden und bewertet werden. Sie müssen
durchführbar und kostengünstig sein.
Die Gruppe trifft sich regelmäßig und spricht die Ergebnisse durch, die die Schüler
einzeln und zu zweit erzielen. Dabei werden die auftretenden Pobleme durchdisktutiert und
nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Es werden Patent- und Literaturrecherchen über
ähnliche Produkte angestellt und auch darüber neue Lösungen gesucht.
Hat die Gruppe das Problem bearbeitet und evtl. eine gute Lösung gefunden, wird sofern
nötig ein Prototyp gebaut.
Am Ende des Projekts werden die Ergebnisse der Arbeit vor der Vertretung des
Unternehmens und des Theo Prax Teams präsentiert. Nach der Präsentation
meldet das Unternehmen als Auftraggeber eventuelle Schutzrechte auf die Ergebnisse an. Die
Gruppen sind je nach Einzelfall Erfinder und werden diesbezüglich wie Mitarbeiter des
Unternehmens behandelt (Bezahlung, Namensveröffentlichung, etc.). Die Kosten, die
während des Programms entstanden, werden vom Unternehmen beglichen.
Themenbeispiele:
Entwicklung neuer Füllstoffe für Gießharz;
Erstellung einer Datenbank nach bestimmten Marketingzielen
Finanzieller Rahmen und Dauer:
- Kosten zwischen 500 und 15.000 DM
- Dauer von 3 6 Monaten
Was hat die Schule davon?
Laut Theo Prax sollen die Schüler die Möglichkeit einer praxisnahen Ausbildung
erhalten. Sie sollen Kriterien wie Brainstorming, Recherche, Präsentation und nicht
zuletzt Teamwork erlernen und darin gefördert werden. Sie können ihre Leistungen durch
Noten, einen Zeugniseintrag und (sofern sie Studenten sind) durch einen Seminarnachweis
bewerten lassen und so "Punkte" für die spätere Berufslaufbahn sammeln.
Darüber hinaus sollen Schüler erfahren welche Probleme sie mit oder ohne Schulwissen
lösen können und erhalten Einblicke in die Praxis ihres anvisierten Berufs oder
Wunschstudiengangs.
Was hat die Wirtschaft davon?
Die Unternehmen lassen sogenannte "Schubladenthemen" bearbeiten, die sonst
nicht in Angriff genommen werden könnten. Zudem ist die Arbeit durch die Schüler relativ
risikoarm und im Ganzen kostengünstiger. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten verbessern häufig
laufende Prozesse und Produkte und verhelfen zu neuen Ideen bzgl. diesen. Auch kann die
Firma sich für später die zukünftigen Absolventen merken und sofern sie gute Arbeit
geleistet hatten auch einstellen.
Verändert sich die Schule durch das Projekt?
Eine Veränderung findet dahin gehend statt, dass die Schüler neben ihrem normalen
Unterricht zusätzliche Stunden haben, in denen sie das Projekt bearbeiten. Projekt und
Schule voneinander trennen zu wollen, dürfte wohl nicht möglich sein, auch wenn dies nur
kleine Gruppen an der Schule betrifft. So werden auch andere Fachlehrer, die das Projekt
eigentlich nicht betreuen, zu Rate gezogen, um z.B. mathematische oder physikalische
Probleme zu lösen. Es wird mit anderen über das Projekt gesprochen und vielleicht auch
zum Teil mit in den Unterricht aufgenommen. Dies verändert dann auch faktisch den
Unterrichtsinhalt. Auch verändert sich die Haltung der betroffenen Schüler dem
restlichen Unterricht gegenüber (z.B. Desinteresse an Themen , die dem Projekt nichts
nützen, usw.).
Welche Ziele hat die Initiative im nächsten Jahr geplant?
Theo Prax will Schülerfirmen gründen, zwei sind bereits im Aufbau.
1) Raum Karlsruhe: Mit der Unterstützung von KEIM (Karlsruher Existenz-
gründungsimpuls) wird eine reale Firma und zugleich ein Unternehmensnahes
Schulprojekt gestartet. Derzeit sind 64 Schulen aufgerufen worden, Ideen für
Projekt abzugeben. Drei Gruppen werden bei der Verwirklichung ihrer Idee
von Theo Prax unterstützt. Nach fünf Monaten Laufzeit der Schülerfirma sollen
die Schüler ihre Ideen präsentieren und von ihren Erfahrungen bei der
Umsetzung berichten
2) Raum Stuttgart: Unterstützung durch BLK "Bund Länder-
Kommission"
Programm: "Schülerfirma für eine nachhaltige Entwicklung in Baden
W."
Die Schüler stellen ein Produkt her und vertreiben es oder sie bieten Dienst
leistungen an. Dabei sollen sie die ökologischen und sozialen Folgen ihres
wirtschaftlichen Handelns bedenken und verantwortungsbewusst handeln.
Das Ziel ist die Entwicklung eines unternehmerischen Denkens, das den
Kriterien im Sinne der Agenda 21 verpflichtet ist.
Problem an diesem Projekt:
Das Projekt nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch als die normalen Aufträge der
Firmen, bei denen es nur um ein Problem geht. Die Schülerfirma stellt die Gruppen vor
wesentlich mehr und auch dringendere Probleme, die schnellstmöglich behoben werden
müssen, wenn sie die Firma dauerhaft erhalten wollen. Dadurch verändert sich auch das
Lernverhalten in der Schule. Das Projekt kann nicht nur außerhalb der Stunden
stattfinden. Die Gruppen beschäftigen sich intensiv mit der Firma, was automatisch Fragen
an andere ergibt und so schnell im Plenum Thema wird. Auch ändert sich die Einstellung
zur Schule. Die Schüler optimieren ihre Leistungen oder tun das genaue Gegenteil, also
fallen in ihren Leistungen ab. Sie denken, wenn das bisher gelernte ausreicht, eine Firma
zu gründen, ist das , was sie noch lernen sollen eher überflüssig.
Zudem wird der Lerninhalt zunehmend von den industriellen Themen und Denkstrukturen
durchsetzt. Das kann von Vor- oder Nachteil sein, je nachdem, welche Sicht man vertritt.
Die Industrie bekommt aber auf jeden fall mehr Gewicht. Die Absolventen bewerben sich
häufig bei den Partnerfirmen und diese wissen schon vorher, wer für sie in Frage kommt,
da sie die Personen schon durch ihre Projekte kennen und wissen, was sie zu leisten im
Stande sind. Dadurch entsteht ein gewisser "Herdenzwang". Wer an den Projekten
nicht teilnimmt, hat zumindest bei den Partnerfirmen eine schlechtere Position, also ist
es wesentlich schwerer an eine Stelle zu kommen. Außerdem stehen viele Firmen
untereinander in Kontakt, so dass sie sich gegenseitig Tipps zu einzelnen Bewerbern geben
können. Das führt zwangsläufig zur "Vorselektion" durch die Firmen schon in
der Schulzeit und zu einem erhöhten Leistungsdruck schon während der
"Grundausbildung".